Kultur
Keas - Schräge Vögel aus Neuseeland
Das Kea-Paar Kelzo und Tekao hat auch dieses Jahr in der Wilhelma wieder erfolgreich gebrütet: Zwei Kea-Küken schälten sich Anfang Februar aus ihren Eiern.
Doch erst jetzt sind die beiden in der Voliere auf den Subtropenterrassen auch für die Besucher zu sehen, Denn als ausgesprochene Nesthocker verlassen Kea-Küken ihre Nisthöhle erst rund 12 bis 13 Wochen nach dem Schlüpfen.

Küken? Welche Küken? In der Tat: Größenmäßig haben die beiden Kea-Sprösslinge von Kelzo und Tekao ihre Eltern fast schon eingeholt. Doch dank ihrer knallgelben Wachshäute und Unterschnäbel, die sie noch rund 18 Monate behalten werden, sind die beiden Nesthocker trotzdem gut von ihren Eltern zu entscheiden. Bis vor Kurzem saßen ihnen zudem immer noch einzelne Flusen Kükenflaum wie grauer, fussliger Schimmel im dunkelgrünen Erwachsenengefieder, doch auch diese sind nun verschwunden. Das Futter allerdings lässt sich die junge Brut weiterhin gerne von Vater und Mutter schnabelgerecht servieren – das Menü aus Obst, Gemüse und tierischem Eiweiß wandert dann als gut durchmischter Kinderbrei direkt aus dem elterlichen Kropf in den Kükenschnabel.

Wie man als Kea selbstständig frisst, werden die „Kleinen“ aber bald ebenso lernen wie ganz andere besondere Fähigkeiten dieser neuseeländischen Nestorpapageien. Denn die Vögel gehören zu den intelligentesten und gewitztesten Vertretern der gefiederten Zunft. In ihrer Heimat Neuseeland sind sie dafür berüchtigt, dass sie auf der Suche nach Essbarem Fenster, Mülltonnen und andere Behälter mühelos öffnen – als Bewohner karger Gebirgsregionen muss man eben schauen, wo man bleibt. Dass die Tiere ihre Intelligenz aber nicht nur auf der Futtersuche, sondern offenbar auch zum puren Zeitvertreib einsetzen, bekommen immer wieder die neuseeländischen Autobesitzer zu spüren. Denn nicht selten fallen ganze Kea-Trupps auf Parkplätzen ein und befreien dort die Pkw von „unnötigem Ballast“ wie Radkappen, Fensterdichtungen oder Scheibenwischern. Geeignetes Werkzeug dafür haben die Vögel in Form kräftiger Schnäbel nicht nur immer dabei, sondern sie wissen diese dank ihrer klugen Köpfchen auch ebenso geschickt wie gezielt einzusetzen. Klar, dass der rege Geist und Spieltrieb der „Demolition-Birds“ deshalb auch in der Wilhelma mit Hilfe von Spielzeug und anderen zerlegbaren Utensilien immer neue Nahrung bekommen muss.

Ein Großteil der Keas, die heute in europäischen Zoos leben, sind übrigens waschechte Schwaben, denn in der Wilhelma haben in den letzten 25 Jahren schon über 60 Keas das Licht der Welt erblickt. Die beiden jüngsten Schwaben werden noch bis zum Spätherbst in Stuttgart bleiben. Dann sind sie endgültig unabhängig von ihren Eltern – und bereit, in einem anderen Zoo die Besucher mit ihrer Klugheit, aber auch mit so manchem Schabernack zu begeistern.



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