01.12.2010 Kultur
Die Philosophin Professorin Dr. Susan Neiman ist am Mittwoch, 8. Dezember, zu Gast in der Stadtbücherei im Wilhelmspalais. Auf Einladung des Internationalen Zentrums für Kultur- und Technikforschung spricht sie um 20 Uhr in der Reihe “Kulturtheorien“ über das Thema “Was ist moralische Klarheit?“. Der Eintritt ist frei.
Im September 2010 erschien ihr Buch “Moral Clarity. A Guide for Grown-Up Idealists“ in deutscher Übersetzung in der “Hamburger Edition“ des Hamburger Instituts für Sozialforschung: “Moralische Klarheit. Leitfaden für erwachsene Idealisten“.
“Der Begriff Moral ist verpönt, ein Wort wie Held ist tabu, gut und böse tauchen nur mit Anführungszeichen auf“, so Neiman. Mit ihrem Buch “Moralische Klarheit“ will sie die Sprache der Moral und deren Konzept des Guten, die von konservativen Parteien und den religiösen Rechten vereinnahmt wurden, für die Linke zurückgewinnen.
Neiman ergründet das Verhältnis von Moral und Politik auf einer philosophischen Ebene und beleuchtet die metaphysischen Grundlagen der Argumentationsgebäude der Linken wie der Rechten. Dabei distanziert sie sich vor allem von Carl Schmitt, der den Bereich des Politischen strikt von dem der Moral getrennt sehen wollte. Für Neiman würde dies dazu führen, dass der Begriff des Sollens nicht mehr als kritischer Maßstab in der Politik verwendet werden dürfte. Ihr zufolge ist es nicht die Gesinnung, auf die es ankommt, sondern einzig und allein das Handeln, das sogar die Bereitschaft, das eigene Leben aufs Spiel zu setzen, einschließen kann.
Susan Neiman verteidigt auf der Grundlage ihrer eigenen historischen Analysen die abendländischen Werte überzeugend gegen ihre Kritiker und entwickelt ein philosophisches Fundament für heutiges politisches Denken und Handeln. Durch ihre aktuellen Analysen von moralischen Urteilen über Gut und Böse sowie durch Beispiele von zeitgenössischen Helden, die bereit waren, um eines Ideals willen die engen Gleise ihrer Karrieren zu verlassen, entsteht eine völlige neue Sicht auf die Grundwerte der Aufklärung.
Susan Neiman ist Direktorin des Einstein Forums. Sie wurde in Atlanta, Georgia, geboren und studierte Philosophie an der Harvard Universität und der Freien Universität Berlin. Bevor sie 2000 die Leitung des Einstein Forums übernahm, war sie Professorin für Philosophie an der Yale Universität und der Tel Aviv Universität.
Die Veranstaltung findet mit Unterstützung der Breuninger Stiftung statt.


